Warum fotografiere ich analog?

Digital zu fotografieren hat viele Vorteile. Es ist schneller, man kann die Ergebnisse direkt einschätzen, es ist (meistens) leiser, es ist vor allem (auf lange Sicht) deutlich billiger.

Es hat allerdings auch einen gewaltigen Nachteil: es ist mir zu perfekt und berechenbar.

Am analogen Fotografieren mag ich das Langsame, das Bewusste, die Spannung beim Entwickeln – und dann wieder beim Vergrößern oder scannen. Ich mache selten mehr als eine oder maximal zwei Aufnahmen derselben Situation. Entweder es sitzt, oder es sitzt nicht, oder es sitzt ganz anders, als ich erwartet hatte. Es gibt verpasste Chancen. Ich muss nicht alles festhalten. Zuviel festhalten zu wollen, entwertet den Moment. Der Moment lebt aus Vergänglichkeit, erhält seinen Wert aus der Vergänglichkeit.

An die wirklich wichtigen Dinge erinnerst du dich auch ohne Foto. Präsent zu sein ist wichtiger. Für mich ist analoge Fotografie besondere, bewusste Präsenz. Ich halte fest, was mich angesprochen hat, suche nicht im Nachhinein die Bedeutung in 1.500 Bildern eines Tages. „Mach einfach 20 oder 30 Aufnahmen, eine wird schon was werden“ – das würde für mich den künstlerischen Prozess des Fotografierens entwerten. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist das haptische, technische und akustische Erleben und Erfühlen einer alten Kamera. 50, 80, 120 Jahre Geschichte in der Hand. Wenn solch eine Kamera zu mir kommt, steht in der Regel eine Durchsicht, Reinigung, Reparatur an. Denn die meisten Kameras in meinem Schrank tragen sehr deutliche Spuren der Jahre. Das ist kein Nachteil. Eine abgegriffene Kamera wurde genutzt, geliebt, geschätzt. Eine Kamera, die nach 90 Jahren noch wie neu aussieht hat keine Geschichte. Und sie hatte meistens von Beginn an irgendeinen Defekt oder eine Schwäche, die verhindert hat, das sie gern benutzt wurde.

Kameras sprechen. Es gibt solche, die sprechen mich an, die wachsen mit der Hand zusammen, die werden zum Werkzeug, das zwischen mir und dem Motiv quasi verschwindet. Es gib andere, mit denen werde ich nicht warm, da fummele ich an Einstellungen rum, meine Finger finden den Auslöser nicht, Aufnahmen sind kein Erlebnis, ich bin froh wenn der Film voll ist.

Ein wesentliches Kriterium für meine Lieblingskamera ist, dass sie Doppelbelichtungen zulässt. Bis in die 1930er fallen die meisten Balgenkameras mit Zentralverschluss darunter. Balda, Certo, Zeiss Ikon. Auch die ersten Rolleiflex konnten das noch. Mehr dazu findet ihr demnächst in den Vorstellungen der einzelnen Kameras.

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