
Film 26-01/09
Olympus Pen FT (1970)
Agfa APX 400
Rodinal











old cams – old films

Digital zu fotografieren hat viele Vorteile. Es ist schneller, man kann die Ergebnisse direkt einschätzen, es ist (meistens) leiser, es ist vor allem (auf lange Sicht) deutlich billiger.
Es hat allerdings auch einen gewaltigen Nachteil: es ist mir zu perfekt und berechenbar.
Am analogen Fotografieren mag ich das Langsame, das Bewusste, die Spannung beim Entwickeln – und dann wieder beim Vergrößern oder scannen. Ich mache selten mehr als eine oder maximal zwei Aufnahmen derselben Situation. Entweder es sitzt, oder es sitzt nicht, oder es sitzt ganz anders, als ich erwartet hatte. Es gibt verpasste Chancen. Ich muss nicht alles festhalten. Zuviel festhalten zu wollen, entwertet den Moment. Der Moment lebt aus Vergänglichkeit, erhält seinen Wert aus der Vergänglichkeit.
An die wirklich wichtigen Dinge erinnerst du dich auch ohne Foto. Präsent zu sein ist wichtiger. Für mich ist analoge Fotografie besondere, bewusste Präsenz. Ich halte fest, was mich angesprochen hat, suche nicht im Nachhinein die Bedeutung in 1.500 Bildern eines Tages. „Mach einfach 20 oder 30 Aufnahmen, eine wird schon was werden“ – das würde für mich den künstlerischen Prozess des Fotografierens entwerten. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite ist das haptische, technische und akustische Erleben und Erfühlen einer alten Kamera. 50, 80, 120 Jahre Geschichte in der Hand. Wenn solch eine Kamera zu mir kommt, steht in der Regel eine Durchsicht, Reinigung, Reparatur an. Denn die meisten Kameras in meinem Schrank tragen sehr deutliche Spuren der Jahre. Das ist kein Nachteil. Eine abgegriffene Kamera wurde genutzt, geliebt, geschätzt. Eine Kamera, die nach 90 Jahren noch wie neu aussieht hat keine Geschichte. Und sie hatte meistens von Beginn an irgendeinen Defekt oder eine Schwäche, die verhindert hat, das sie gern benutzt wurde.
Kameras sprechen. Es gibt solche, die sprechen mich an, die wachsen mit der Hand zusammen, die werden zum Werkzeug, das zwischen mir und dem Motiv quasi verschwindet. Es gib andere, mit denen werde ich nicht warm, da fummele ich an Einstellungen rum, meine Finger finden den Auslöser nicht, Aufnahmen sind kein Erlebnis, ich bin froh wenn der Film voll ist.
Ein wesentliches Kriterium für meine Lieblingskamera ist, dass sie Doppelbelichtungen zulässt. Bis in die 1930er fallen die meisten Balgenkameras mit Zentralverschluss darunter. Balda, Certo, Zeiss Ikon. Auch die ersten Rolleiflex konnten das noch. Mehr dazu findet ihr demnächst in den Vorstellungen der einzelnen Kameras.

Digital photography has many advantages. It is faster, allows immediate assessment to the results, is usually quieter, and – above all – is significantly cheaper in the long run. Yet it also has one major drawback: it is too perfect and predictable.
What draws me to analog photography is its slowness – the deliberate process, the anticipation of developing, and later of enlarging or scanning. I rarely take more than one, at most two, shots of the same situation. Either it works, or it doesn’t, or it works completely different of what I expected. There are missed opportunities.
I don’t feel the need to capture everything. Trying to capture too much devalues the moment. A moment thrives on transience; it derives its meaning precisely from that impermanence.
The truly important things are remembered even without a photograph. Being present matters more. For me, analog photography is a special, conscious form of presence. I capture what resonates with me, instead of searching for meaning afterward in 1.500 digital photos from a single day. „Just take 20 or 30 shots at once, one will be fine in the end“ – for me, this attitude diminishes the artistic process of making a photograph.
That’s one side of it.
The other side is the tactile, technical, and acoustic experience of holding an old camera – 50, 80, sometimes 120 years of history in my hands.
When a camera comes to me, it usually requires inspection, cleaning, and repair. That´s the first oportunity to become friends – or not. Most of the cameras in my cabinet show clear signs of age. That’s not a disadvantage. A well-worn camera has been used, loved, and cherished. A camera that still looks like new after 90 years lacks a history. Frequently, it had some kind of defect or inherent weakness that prevented it from being used extensively, that´s why it still appears untouched.
An old camera needs patina.
Cameras can speak. And sometimes they speak to me. Some become an extension of my hand, turning into a tool that disappears between me and the subject. Others I never truly connect with – I fumble with the settings, my fingers can’t find the shutter release, taking photographs ceases to be an experience, and I’m simply released when the roll of film is finished.
One key criterion for a favorite camera of mine is the ability to create intentional double exposures. Up until the 1930s, most bellows cameras with leaf shutters offer this feature – Balda, Certo, Zeiss Ikon. Even the first Rolleiflex cameras do. More details can be found in the individual camera reviews that will follow.

Since the end of the 19th century, there have been, broadly speaking, two main directions in photography:
Documentary photography generally focuses on rather advanced equipment, such as a sharper lens, a film with a higher resolution, or a sensor with a higher resolution.
Pictorialism, on the other hand, is more concerned with artistic expression, the specific atmosphere, the composition, and the emotion conveyed by an image.
Most photographers, at least in their own perception, consciously or unconsciously align themselves quite clearly with one of these two approaches.
For documentary photographers, expired film, and its unpredictable image quality are anathema.
The pictorialist side revels in the unexpected, experiments with unfamiliar materials, and tries out new techniques to add another layer to what is already there.
Everything has its place. This page focuses primarily (but not exclusively) on the pictorialist application of photography, mainly with vintage cameras, mostly long-expired film, and double and multiple exposures.
Perhaps pixel peepers will also find something to enjoy.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es sehr grob gesagt zwei Hauptrichtungen in der Fotografie:
– Dokumentarismus:
die Wirklichkeit wird mehr oder weniger detailgetreu abgebildet
– Piktorialismus:
die Wirklichkeit wird bildnerisch verfremdet
Der Dokumentarismus orientiert sich dabei in der Regel am perfekten Equipment, wie etwa die noch schärfer abbildende Linse oder der noch sauberer abbildende Film oder noch besser auflösende Sensor.
Dem Piktorialismus dagegen geht es mehr um den künstlerischen Ausdruck, die besondere Atmosphäre, die Komposition und die mit einem Bild vermittelte Emotion.
Wahrscheinlich ordnet sich jede.r Fotografierende zumindest in der Selbstwahrnehmung bewusst oder unbewusst relativ eindeutig einer der beiden Richtungen zu.
Dem dokumentarisch fotografierenden Menschen sind abgelaufene und in ihrer Wiedergabequalität nicht einzuschätzende Filme ein Gräuel.
Die piktorialistische Seite freut sich am Unvorhergesehenen, experimentiert mit unbekanntem Material und probiert neue Techniken, um dem Vorfindlichen eine weitere Ebene hinzuzufügen.
Alles hat seine Berechtigung. Hier auf dieser Seite geht es eher (aber nicht ausschließlich) um die piktorialistische Anwendung der Fotografie, vorwiegend mit alten Kameras, größtenteils lang abgelaufenen Filmen, Doppel- und Mehrfachbelichtungen. Vielleicht kommen da auch Pixel-Peeper auf den Geschmack.